Mittwoch, 26. Juni 2013

Buchauszug "Mike und Maja"



Ich klappe das kleine Buch zu. Mike rumort in der Küche. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Aber zu lachen käme mir überhaupt nicht in den Sinn. Sie hat ihn einfach verarscht. Oder sie ist wirklich so krank im Kopf. Was mache ich denn jetzt? Jetzt kann ich noch weniger verstehen, dass er so unverkrampft mit mir ins Bett gehen kann. Was hat ihn das bei Nadja an Überwindung gekostet. Bei mir nicht? Das kann doch nicht sein. Mein Herz tut mir weh, nachdem ich das gelesen habe. Wie glücklich er war und wie sie ihm dann den Schlag versetzt hat. Was für eine kleine dreckige Kröte, diese Nadja. Mike nimmt an, dass sie Oliver getötet hat. Das glaube ich nach dieser Geschichte auch. Was sage ich ihm jetzt? Er hat es mir anvertraut. Das hätte Mike nicht tun müssen. Zögernd schleiche ich mich barfuss in die Küche. Er pellt gerade Kartoffeln, die er gleich braten will. Ich habe lange gelesen, manchen Absatz habe ich zweimal lesen müssen. Er hatte Zeit genug, Kartoffeln zu kochen.
„Ich höre dich gar nicht lachen.“ sagt er. Er balanciert eine heiße Kartoffel in der Hand und dreht sich nicht zu mir um.
„Das ist zu traurig, um darüber zu lachen.“ sage ich und lege die Arme um ihn. Mein Gesicht schmiege ich an seinen Rücken und er legt die Kartoffel und das Messer fort und legt seine Hände auf meine. „Hast du ein Höschen an?“ fragt er.
„Nein.“
„Das ist gut, Schatz.“ er dreht mich um und er hebt mich auf die Arbeitsplatte, zieht mir das Kleid hoch über die Oberschenkel und küsst mich voller Verlangen. Ich ziehe ihm den Pullover über den Kopf, schiebe die heißen Kartoffeln in die Spüle und er öffnet sich den Reißverschluss und dringt in mich ein, schnell und atemlos, als hätten wir keine Zeit mehr. Ich schlinge die Beine um ihn und stöhne vor Verlangen und Schmerz.

„Du blutest, Schatz.“ sagt er verwundert, als er seine Hand ansieht.
„Ich sitze auf dem Küchenmesser.“
„Meine Güte.“ Er reißt mich an sich, von der Arbeitsplatte herunter und besieht sich mein lädiertes Hinterteil. „Warum sagst du nichts?“
„Es war einfach zu schön.“ grinse ich. „Ist es schlimm?“
„Ein Kratzer. Das hätte schlimmer ausgehen können. Warte. Ich gebe dir ein Pflaster. Ich habe ganz schöne. Mit Pferden drauf.“
Er klebt mir eins von Sandras Pflastern auf die eine Pobacke und gibt noch einen Kuss darauf.
„Gut. Schmerz ist weg. Du hättest Arzt werden sollen.“
„Oder Vampir.“ er wischt das Blut von der hellgrauen Arbeitsplatte und fischt dann die Kartoffeln aus dem Spülbecken. „Sitzt auf dem Küchenmesser und sagt nichts.“ murmelt er.
„Für dich könnte ich noch viel mehr aushalten.“
„Untersteh dich. Niemand soll für mich leiden. Mir ist gar nicht mehr nach Bratkartoffeln. Warum bestellen wir uns nicht was? Wir legen uns ins Bett und füttern uns mit Pizza?“
„Wir füttern uns erst und gehen dann ins Bett.“
„Wir gehen erst ins Bett und essen dann.“
„Wir gehen nur ins Bett und ich knabbere an dir.“
„Wir laden uns bei Bodo und Marion ein.“
„Gute Idee.“

Wir bleiben bei den Bratkartoffeln mit Quark. So können wir nämlich in gemütlichen Klamotten kichernd am Küchentisch sitzen und uns füttern. Er macht mir mit Quark einen Punkt auf die Nase, ich beiße ihn dafür ins Ohr und dann jagt er mich auf die Couch und wir schlafen noch einmal miteinander, diesmal zärtlich und liebevoll und mit ganz vielen gemurmelten „Ich liebe dich.“
Dann besorgt er aus dem Vorratsschrank einen neuen Karton Pralinen, weil die Schale im Schrank wirklich leer ist und ich stopfe ihm nacheinander den halben Schachtelinhalt in den Mund. „Ich will ganz schnell so aussehen wie früher.“ Dann geht ihm auf, was er gesagt hat. „Gewichtsmäßig.“ grinst er.
„Ich auch.“ seufze ich.
„Das kannst du halten, wie du willst. Hast du nicht gesagt, du brauchst deine niedlichen kleinen Speckröllchen? Die sind so klein, die sieht man kaum.“ Er küsst mich auf die Taille, die früher mal eine war.
„Aber man fühlt sie.“
„Ja. Das ist geil.“ grinst er und beißt mich in den Hüftspeck. „Du hast ja keine Ahnung, was es für einen Unterschied macht, eine wirkliche Frau in den Armen zu halten oder eine, die eigentlich ein Kleiderständer ist. Wenn ich das vorher gewusst hätte.“
„Früher habe ich nicht so ausgesehen.“
„Aber jetzt. Extra für mich. Habe ich mich dafür schon bedankt?“
„Ist wirklich nicht nötig.“ lache ich.
„Doch. Warte.“ Er angelt nach seiner Hose, ohne die Couch zu verlassen. „Mach mal die Augen zu.“
„Mach jetzt bloß kein Foto.“
„Ach, ja. Da brauche ich auch noch eins von dir. Ich will dich immer bei mir haben.“
Er clipst mir etwas an die Ohrläppchen. „Beim nächsten Mal bekommst du Löcher geschenkt. Dann ist die Auswahl größer.“
„Was ist das?“ Ich rupfe an meinen Ohrläppchen herum. „Ohrclips. Ach, sieh dir das an. Mike. Wie schön.“ Aufgeregt setze ich mich auf. „Für mich?“
„Nein. Ich will sie ansehen, wenn sie an deinen schönen Ohren sind.“
„Mike, die sind so groß, da sieht man meine Ohren gar nicht mehr.“ Ich kriege mich gar nicht mehr ein. „Die waren bestimmt sehr teuer?“
„Nein. Ich bekam sie zum Sonderpreis.“
„Bei der Firma Stürmer. Die sind aus der neuen Kollektion.“
„Nein. Sie sind eine Einzelanfertigung. Nur für dich.“
„Papa hat sie aus der Kollektion genommen? Für mich? Für dich. Das hat er noch nie gemacht.“ Ich sehe mir die Ohrclips an. Sie sind aus schwerem Gold mit exquisiten Steinen. Wenn man die den ganzen Abend getragen hat, weiß man, was man geleistet hat. Ich muss lächeln und gleichzeitig kommen mir die Tränen.
„Das waren keine Ohrclips. Das war eine Brosche.“ erinnere ich mich. Ich habe Papas Entwurf gesehen. Damals war es noch eine gezeichnete Brosche.
„Wieso hat die Tochter von Bodo Stürmer keine Ohrlöcher?“
„Damit ich Mikes wundervolle Clips tragen kann.“ Ich schiebe ihn beiseite und rase zum Spiegel. Ich muss das Haar hochnehmen, um sie zu bewundern.
„Mike? Das dauert lange vom Entwurf bis zum fertigen Schmuckstück. Wann hast du sie in Auftrag gegeben?“ sage ich argwöhnisch.
„Es ist schon ein bisschen her.“ sagt er und küsst mich auf den Nacken.
„Und wusste mein Vater, für wen sie sein sollten?“
„Nein. Ich sagte, sie seien für eine wunderbare Frau.“
„Und wenn wir nicht…“
„Dann hättest du sie trotzdem bekommen. Du hättest sie mit der Post bekommen. Von einem unbekannten Verehrer.“
„Du hast dich nicht mal so auf die Schnelle ich mich verliebt.“
„Nein. Das ist auch schon ein bisschen her. Sie gefallen dir also?“
„Ja. Ich danke dir. Ich brauche mir gar nichts mehr anzuziehen. Jeder starrt auf meine Ohren, wenn ich sie trage.“
„So? Ich nicht.“ sagt er und drückt sanft meine Brüste. „Ich nicht. Ich bin von ganz anderen Dingen fasziniert.“
„Und ich von dir. Ich habe noch nie Schmuck geschenkt  bekommen. Sogar meinen Ehering habe ich selbst gekauft. Der Arsch war ewig pleite.“
„Also bist du quasi ein unbestelltes Feld. Das ist schön. Ich mag es, eine Frau zu beschenken.“
„Mit bösen Blicken. Ich weiß.“ sage ich neckend.
„Ist mein Blick böse?“ Er sieht mich im Spiegel an.
„Im Augenblick nicht. Er ist liebevoll. Und das gefällt mir genauso gut.“
„Meine hämischen Blicke haben dir gefallen?“
„Außerordentlich.“
„Aber ich nicht. Ich habe dir nicht gefallen.“
„Doch.“ flüstere ich. „Du hast mich damit neugierig gemacht. Du hast mich mal gefragt, an wen ich gedacht habe… dabei.“ sage ich errötend.
„An mich? Du hast an den verhungerten Kerl von gegenüber gedacht?“
„Ja.“
„Also habe ich es ganz falsch angefasst. Ich habe dich damit auf mich aufmerksam gemacht, anstatt dich abzuschrecken.“
„Ja. In dieser Angelegenheit seid ihr uns einfach unterlegen. Mach dir nichts draus.“
„Du warst so unglaublich süß, wenn du dich aufgeregt hast. Einmal habe ich gedacht, jetzt schlägt sie mich ins Gesicht. Aber dann hast du den Blick niedergeschlagen, weil du verlegen warst.“
„Du hast den Blick niedergeschlagen.“
„Ich sah in deinen Ausschnitt. Der war so gewagt, ich konnte den Leoparden sehen.“
„Dann warst du so verwirrt, dass du den Tiger nicht erkannt hast.“
„Ja, ich sah nur die Katze in dir. Du hattest die Krallen ausgefahren.“
„Ich habe mich immer gefragt, warum du mich nicht verklagst. Ich war nicht sehr nett.“
„Das vielleicht nicht. Aber sehr sexy.“
„Das mag sein. Aber ich bin es nicht, wenn ich auf einem Pferd sitze.“
„Aber du bist es, wenn ich in dir bin, wenn du dann deinen Mund leicht geöffnet hast und die Augen geschlossen. Wenn du eine Hand in deinem Haar hast und leise stöhnst.“ flüstert er. „Weißt du eigentlich, dass du dir den Daumen in den Mund steckst, wenn du schläfst? Nicht immer. Das müsstest du mal sehen. Das werde ich mal fotografieren.“
„Wie siehst du das denn? Du hast immer dein Gesicht in der Decke vergraben.“
„Ich habe dich oft genug beobachtet. Ich habe ein Fernglas. Das kann ich ja jetzt zugeben. Ich schlafe nicht viel. Aber wenn du neben mir liegst, klappt das auf einmal.“
„Ja. Das sind meine magischen Kräfte.“

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